From Automation to Autonomy
Meine Woche auf der No Code Week Frankfurt 2026
Fünf Tage No Code Week in Frankfurt liegen hinter mir, und im Anschluss noch eine Keynote in Mainz. Ich war für VARY.FY vor Ort und habe mir vorgenommen, jeden Tag mitzuschreiben. Hier ist mein Rückblick, mit den Dingen, die wirklich hängen geblieben sind.
Tag 1: Erst einmal ankommen
Der erste Tag war bewusst entspannt. Nach der Ankunft gab es ein Meet and Greet am Main und eine kleine Stadttour, bei der man sich in Ruhe kennenlernen konnte. Beim Barbecue im Massif Central wurde es dann aber schnell fachlich. Wenn No-Coder und Automatisierer aufeinandertreffen, bleibt es eben nicht lange beim Smalltalk.
Wir waren insgesamt rund 130 Leute, die Sponsoren mitgezählt. Schön war das Wiedersehen mit ein paar bekannten Gesichtern aus unserer n8n Rhein-Main Community in Wiesbaden, etwa fünf Leute, die sich sonst bei AOE treffen. Genau dort sind die ersten guten Gespräche entstanden, locker und auf Augenhöhe.
Ich habe die Woche auch genutzt, um VARY.FY und unsere Haltung zu souveräner und verantwortungsvoller KI vorzustellen. Zum ersten Mal habe ich dabei unser Konzept gezeigt, wie wir Unternehmen künftig als Interim-AI-Manager begleiten wollen, damit sie europäische und lokale KI-Lösungen selbst und rechtssicher betreiben können. In den Gesprächen habe ich schnell gemerkt, wie groß der Bedarf danach ist.
Tag 2: Sovereign AI in der Praxis
Am zweiten Tag wurde es strategischer. Bart Veldhuizen von n8n sprach über den Aufbau echter Communities. Die Diskussion danach war so gut, dass am Ende sogar ein kostenfreies Ticket für das n8n Community Fest in Berlin am 16. Juli heraussprang, zu dem ich als Vertreter von VARY.FY eingeladen bin.
Florian Fürst hat anschließend gezeigt, wie man einen RAG-Agenten komplett auf quelloffener, deutscher Infrastruktur baut. Keine US-Cloud, keine Kompromisse. Das ist genau das Thema, an dem wir mit VARY.FY und unseren Partnern ohnehin arbeiten, und es ist schön zu sehen, wie erwachsen diese europäischen Lösungen inzwischen sind. Später hat Yulia Dmitrievna demonstriert, wie sich No-Code-Automatisierung mit KI zu einer selbstwachsenden Outreach-Datenbank verbinden lässt. Nebenbei habe ich meine erste App in Softr gebaut, einem deutschen Airtable-Mitbewerber, und war ehrlich überrascht, wie schnell ein kleines CRM stand.
Tag 3: Der Hackathon und FeierAbendKultur
Der Tag begann mit einer Live-Debatte über Data Ownership, also Souveränität und Autonomie. Danach haben wir in einem Silex Workshop in einer Stunde eine schnelle, barrierefreie Website gebaut, ohne Abo und ohne Lock-in.
Am Nachmittag kam mein persönliches Highlight, der n8n Hackathon. Die Aufgabe: in drei Stunden, im Dreierteam, ein echtes Problem für ein Frankfurter Business lösen und alles live in n8n bauen. Unser Team, die „Rhinos“, hat dabei „FeierAbendKultur Frankfurt“ auf die Beine gestellt, einen Ausgeh- und Kulturconcierge.
Die Idee ist einfach: Man wählt seine Persona, also Besucher, Frankfurter oder Student, dazu Budget, Tageszeit und Wochentag. Dann bekommt man in Sekunden einen kuratierten Abend aus Essen und Events, mit echten lokalen Tipps, auf Deutsch, Englisch oder Französisch. Wichtig war uns, dass alles live läuft und kein Mockup ist. Im Hintergrund arbeiten ein WebScraper, der die Frankfurter Eventszene täglich selbst einliest, eine Airtable-Datenbank mit Dublettencheck, ein Plakat-Scanner über Mistral OCR und ein kleiner Chatbot, der daraus den passenden Plan formuliert.
FeierAbendKultur Frankfurt, der Ausgeh- und Kulturconcierge des Teams Rhinos (nachgebaute Vorschau)
Gefühlt hatte die Hälfte der Teams Ideen rund um Frankfurt, Events und Ausgehen, entsprechend dicht war die Konkurrenz. Verdient gewonnen haben am Ende die Teams mit dem klarsten Nutzen und einer guten Portion Humor, etwa „Bears“ mit einem Meldesystem für kaputte Stellen in der Stadt und „Bulls“ mit ihrer „Frankfurt Pigeon Intelligence Agency“. Auf dem Papier lagen wir nicht vorne, aber das war an dem Tag fast egal. Was bleibt, ist der Beweis, wie schnell man mit No-Code und KI von der Idee zu etwas Lauffähigem kommt.

Tag 4: Keynotes und Systemdesign
Der Vormittag gehörte Sebastian Mertens von Make und der Keynote von Artur Mkrtchyan von Softr. Sein Punkt ist mir hängen geblieben: Kein Unternehmen will am Ende 8.000 Zeilen KI-generierten Spaghetti-Code besitzen oder Apps bauen, die unkontrolliert sensible Daten preisgeben. Was Unternehmen brauchen, ist visuelle Logik, klare Berechtigungen und Software, die sie selbst verstehen. KI ersetzt No-Code nicht, sie macht es schneller.
Danach wurde es technisch. Eine Session ist tief in das Zusammenspiel von n8n und Claude Code eingestiegen. Parallel lief ein Open Mic von Askan Schmeisser über Mattermost, den selbst hostbaren Open-Source-Zwilling zu Slack und Teams. Auf einem günstigen Hetzner-Server wird daraus eine gute Spielwiese für KI-Agenten wie Hermes oder OpenClaw, die sich als Bot in die Channels einklinken und in Threads mitlesen.

Mein eigenes n8n-Setup für die Orchestrierung ist über die Zeit ziemlich groß geworden, zu groß, um es in einer Stunde zu erklären. Deshalb habe ich mich am Abend hingesetzt und ein neues, schlankes Setup aufgebaut, das nur auf den nativen n8n-Skills und dem originalen n8n-MCP (Model Context Protocol) basiert. Das war meine Vorbereitung für den letzten Tag.
Tag 5: Open Mic und Abschluss
Der Finaltag startete mit einer schönen Überraschung, einem spontanen Ständchen für das Orga-Team. Auch wenn nur noch rund 40 Leute da waren, weil viele schon abgereist waren, war das ein richtig guter Moment.
Im Open Mic habe ich dann meinen umgebauten n8n Coworker vorgestellt, unter dem Titel „Automate your Automation“. Ich habe gezeigt, wie man mit dem Standard n8n-MCP und den n8n-Skills im Claude Setup arbeitet, als einfachen Einstieg ins Orchestrieren und Bauen von Workflows. Aus geplanten 45 Minuten wurden schnell zwei Stunden, und die Diskussionen danach waren das Wertvollste am ganzen Tag. Den Nachmittag haben wir genutzt, um das Gelernte zu sortieren, der Abend ist bei gutem Essen und kühlem Weißwein ausgeklungen. Der Termin für die nächste No Code Week steht übrigens schon: der 17. Mai 2027.
Abstecher: Keynote an der Hochschule Mainz
Direkt im Anschluss ging es für mich noch an die Hochschule Mainz, zur suMIT 2026, ausgerichtet vom IT Klub Mainz und Rheinhessen e.V. Dort durfte ich vor Studierenden meine Keynote „From Automation to Autonomy“ halten.
Ich habe zwei Use Cases aus der Praxis gegenübergestellt, einmal so, wie ich früher gearbeitet habe, und einmal so, wie moderne Systeme heute laufen. Mir ging es vor allem um einen Gedanken: Erst die Kombination aus einem deterministischen Rückgrat und probabilistischer KI macht ein System wirklich autonom. Die vielen Fragen der Studierenden im Anschluss waren ein schöner Abschluss, und ein gutes Zeichen, wie groß das Interesse an echter Praxis abseits der Theorie ist.
Der Tech Stack der Woche
Wer es konkret mag, hier die Werkzeuge, mit denen ich gearbeitet habe:
- Workflow-Steuerung und Modelle: n8n, self hosted auf Hetzner für maximale Datenhoheit. Open-Source- oder Vollmodelle auf Ionos. Supabase als Open-Source-Lösung zum selbst Hosten. T.5 (Tensorfive) als Datenbank aus Mainz. Mistral als europäisches Modell.
- Schnittstellen und Protokolle: MCP, n8n Standard Skills, Make Standard Skills.
- Infrastruktur und Frontend: Airtable, Softr, WebApps mit Claude Code.
Unsere Kompetenzfelder
So ordnen wir bei VARY.FY unsere Arbeit ein, von der Organisation bis zur Pipeline:
- KI-Organisationsentwicklung × Hybride Mensch-KI-Teams
- Harness Engineering × Responsible AI
- Agentic Engineering × AI Orchestration
- AI Engineering × Data, Pipelines & RAG
- AI Discovery × Process & Organisational Mining

VARY.FY Kompetenzfelder im Überblick
Diese fünf Felder greifen ineinander und ergeben einen durchgängigen Weg. Wir starten mit der Discovery und der Frage, wo sich KI im Unternehmen wirklich lohnt. In Plan und Design entwerfen wir darauf die passende Lösung. Danach folgt die Implementierung, also der Aufbau mit Daten, Pipelines und Orchestrierung. Im Enablement befähigen wir die Teams, sicher damit zu arbeiten. Und in der Organisationsentwicklung verankern wir KI dauerhaft in Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten, sodass Mensch und KI verlässlich zusammenarbeiten.
Was ich mitnehme
Autonomie kommt nicht aus einem einzelnen Tool. Sie entsteht, wenn die Bausteine sauber zusammenspielen. Wer seine Workflows selbst hostet, behält die Kontrolle über die Daten. Wer auf offene Protokolle wie MCP setzt, bleibt unabhängig. Und wer KI orchestriert, statt nur einzelne Aufgaben zu automatisieren, kommt der Autonomie ein gutes Stück näher.
Das ist auch der Punkt, an dem wir mit VARY.FY ansetzen, an der Schnittstelle von Technologie, Recht und Ethik. Souveräne KI ist für mich die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen KI rechtssicher und im Sinne des AI Act einsetzen können. Genau dabei unterstützen wir als Interim-AI-Manager.
Wenn Sie diesen Weg gehen wollen, ohne die Kontrolle abzugeben, sprechen Sie mich gerne an.
Autor

Sascha Scheffler ist diplomierter Maschinenbauingenieur und Experte für digitale Transformation. Er ist zertifizierter Lean Administration Expert, hat einen Master in Business with AI (MBAI®) und ist AI Integration Expert.
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